Die Hintergründe, die mich dazu bewegten, das Forum 1997 zum ersten Mal zu organisieren, sind sehr vielschichtig. Sicher spielt die Erfahrung, die ich bei meinem langjährigen Aufenthalt in Paris sammeln konnte, eine ausschlaggebende Rolle. In Frankreich gab es bereits seit 1991 das FITE (Festival international du thèâtre dŽentreprise), ein internationales Festival für Unternehmenstheater. Außerdem war da der Kontakt zu Christian Poissoneau vom Théâtre à la carte, der bereits Ende der 70iger Jahre in Kanada für Unternehmen Theaterstücke realisierte. Meine eigene Entwicklung hatte es mit sich gebracht, dass ich meine professionelle Theatererfahrung schon sehr bald für Unternehmen zur Verfügung stellte: Rhetorik, Teamentwicklung, Coaching, etc. Ich erkannte in den Aufgabenstellungen der Wirtschaft eine interessante Herausforderung für die Theaterarbeit.
Ich war mit meiner Frau sehr spontan 1990 von Paris nach Hof gezogen. Ich bin in Hof geboren und die Grenzöffnung traf mich mitten ins Herz. Ich musste hier her, ohne dass ich wusste, wie es hier weitergehen sollte. Ich begann Beziehungen aufzubauen und stellte schnell fest, dass Unternehmenstheater hier für die Wirtschaft kein Begriff war. Ich schlug mich mit Trainings durch, immer auf der Suche nach der Möglichkeit, mein innerstes Anliegen irgendwie umzusetzen. Dies waren zunächst Inszenierungen mit Mitarbeitern und 1994 dann das erste Projekt.
Im selben Jahr lernte ich Beatrice Aragou-Dournon persönlich kennen, die Organisatorin des FITE. Aus dem freundschaftlichen Kontakt erwuchs die Idee, ein vergleichbares Festival in Deutschland zu organisieren.
Ich begann systematisch, nach ähnlich gelagerten Anbietern zu forschen. Als erstes stieß ich auf das Metaplan Projektforum. Ich war auf der richtigen Fährte. Bis Mitte 1996 hatte ich etwa 25 Anbieter ausfindig gemacht, die in verschiedenen Formen bedarfsorientierte Theaterarbeit in Unternehmen einsetzten und folgender Definition entsprachen: von einer unternehmensinternen Problemstellung ausgehende Inszenierungsarbeit. Diese Definition hat sich bis heute nicht verändert, sie hat an Kontur gewonnen und ist etwas enger geworden. Sie steckt die Kriterien ab, die über eine Teilnahme am Forum entscheiden.
Inzwischen sind es rund 60 Kontakte im deutschsprachigen Wirtschaftsraum, die diese Kriterien mehr oder weniger erfüllen und eine gewisse Erfahrung nachweisen können. (Nicht jene mitgerechnet, die nur glauben machen wollen, dass sie die Kriterien erfüllen. Davon quillt meine Datenbank schon über und fast täglich werden es mehr.) Diese 60 Anbieter zerfallen in 3 Gruppen: 5 davon wollen nicht am Forum teilnehmen, etwa 25 können am Forum teilnehmen, die anderen dürfen nicht teilnehmen, weil die von ihnen durchgeführten Projekte noch nicht die Relevanz erreicht haben, die für das Forum attraktiv wäre.
Seit dem ersten Forum 1997 können Anbieter nur dann ihre Arbeit auf dem Forum darstellen, wenn sie eine signifikante Referenz vorweisen können und einen Partner aus dem auftraggebenden Unternehmen mitbringen. Sozusagen als Garant für Erfolg und Nutzen. Eine Erfahrung von Beatrice, die sich bewahrheitet hat. Bei einer einseitigen Darstellung durch die Anbieter allein hätte das Forum schnell den Charakter einer Messe bekommen und nicht den einer Informationsveranstaltung. Es wäre nicht so ernst genommen worden, wie es dem Gegenstand entspricht und es hätte nicht die Wirkung entfalten können, die es hat.
Die Organisation des ersten Forums war eine Gratwanderung entlang meiner eigenen wirtschaftlichen Existenz. Es war etwas völlig neues und die Zurückhaltung war entsprechend groß. Ein Sponsor hatte sich nicht gefunden. Die Pressekonferenzen im Vorfeld blieben ohne große Resonanz. Der Rücklauf auf die ausgesendeten Flyer war gering und die Homepage kaum besucht. Die Anmeldungen entsprachen nicht meinen Erwartungen.
Die Veranstaltung selbst war ein voller Erfolg. So etwas wie Begeisterung war zu spüren. Die Wirkung übertrug sich. Hatte ich für den Zeitraum von 1991 bis September 1997 insgesamt etwa 30 Zeitungsartikel gefunden, die um das Thema kreisten, so erschienen in den 6 Monaten nach dem Forum über 50 und über den Kontakt zu Prof. Schreyögg nahm sich nun auch die Wissenschaft des Gegenstandes an.
Das zweite Forum 1998 fand bereits wesentlich mehr Beachtung. Andersen Consulting engagierte sich als Sponsor, wodurch eine der zentralen Einsatzmöglichkeiten von Unternehmenstheater ins Blickfeld geriet: Change Management im Human Ressource - Bereich. Die Medien zogen von Anfang an mit. Die Resonanz entsprach dennoch nicht meinen Vorstellungen. Die geographische Lage von Hof spielt hier sicher eine entscheidende Rolle, obwohl der moderne Neubau des Theaters von Hof und die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen ideale Voraussetzungen für das Forum bot.
Die Veranstaltung selbst war von Spannung und einer großen Erwartungshaltung gekennzeichnet. Das Thema war nun schon "bekannt" und wollte vertieft werden. Die einzelnen Anbieter mussten sich gegenseitig positionieren. Die Teilnehmer waren kritischer. Diese Tendenz setzte sich in der Medienresonanz fort: die Exotik wich der Kritik. Eher ein gutes Zeichen: die Reflexion hatte eingesetzt.
Aber das Eis wurde nicht gebrochen: betrachtet man die nun rund 150 Medien- und Presseberichte, so stellt man fest, dass bis auf wenige Ausnahmen, immer das Außergewöhnliche, Verrückte, ja Spleenige, das Unternehmenstheater durchaus besitzen kann, herausgestellt wird. Als läge darin sein alleiniger Sinn, nicht aber in seinem eigentlichen Anliegen als funktionales Werkzeug. Unternehmenstheater wird inzwischen wahrgenommen. Nun geht es darum, zu präzisieren, was es wirklich ist. Diese Erfahrung bestätigen auch die Kontakte zu potentiellen Auftraggebern.
Das dritte Forum 1999, das im September in Frankfurt/M. stattfinden wird, soll hier einen eindeutigen Impuls setzen. Nicht die Inszenierungen und Workshops stehen diesmal im Vordergrund, sondern Information und Erfahrung. Auftraggeber berichten darüber, wie es zum Entschluss kam mit Theater zu arbeiten, wie sich der Prozess gestaltet hat, welche Hürden zu nehmen waren, wie sich die verschiedenen Lobbys dazu verhalten haben, wie die Inhalte festgelegt und entwickelt wurden, wie das Projekt durchgeführt und angenommen wurde, was es ausgelöst hat, ob und wie eine Feedbackstruktur aufgebaut wurde, ob und wie eine Nacharbeit für Transfer und Prozessintegration stattfand, ob das Unternehmen wieder so etwas machen würde, welche Erfahrungen gut und schlecht waren, was zu verbessern wäre, wie der Ansatz vertieft werden könnte.